Welches Haustier passt zu meinem Kind?

Einleitung

Jedes Kind äußert sicherlich irgendwann einmal den Wunsch, ein Haustier zu bekommen. Tiere können zu den besten Freunden von Kindern werden. In ihnen finden die Kinder die geduldigsten Zuhörer, denen sie ihre Erlebnisse erzählen oder bei denen sie ihren Kummer abladen können. Vor allem ängstliche und zurückhaltende oder verschlossene Kinder können im Zusammensein mit Tieren Selbstvertrauen gewinnen. Dabei lernen sie auf ganz natürliche Weise viele Dinge, die sie ebenso selbstverständlich auf den zwischenmenschlichen Bereich übertragen können.

In Maßen können Kinder lernen, Verantwortung - meist Teilverantwortung - für ein lebendiges Wesen zu übernehmen und Aufgaben zu erfüllen. Das Wohlbefinden des Haustieres als Dank für gute Pflege und Behandlung stärkt nicht nur das Selbstwertgefühl des Kindes, sondern auch seine Achtung vor dem Leben. Bevor man sich als Eltern überlegt, ein Tier für sein Kind anzuschaffen, sollte man sich ganz bewusst machen, dass alle Tiere gepflegt und versorgt werden müssen. Kinder, die selbst noch ein zu versorgendes Familienmitglied sind, können immer nur Teilaufgaben übernehmen. Bis zum zwölften Lebensjahr sind Kinder noch nicht in der Lage, die Verantwortung für ein Tier ganz alleine zu tragen. Die Anschaffung eines Haustieres ist somit immer eine Angelegenheit der ganzen Familie. Um einem Haustier gerecht zu werden, müssen immer die Erwachsenen die letztendliche Verantwortung übernehmen. In erster Linie sollten Sie also überlegen, ob Sie bereit sind, das Aquarium regelmäßig zu reinigen, den Kaninchenstall zu entmisten oder täglich bei Wind und Wetter mit dem Hund spazieren zu gehen. Wenn die erste Begeisterung des Kindes abgeflaut ist, kann schnell ein Gerangel um die regelmäßigen Pflichten dem Tier gegenüber losgehen. Erst ab etwa 12 bis 14 Jahren können Kinder relativ selbständig ein Haustier versorgen.

Des Weiteren sollte beachtet werden, wie alt die Tiere werden. Wenn ein 14-jähriges Kind einen Hund bekommt, der bis 15 Jahre alt werden kann, fällt die Lebenszeit des Hundes in die Pubertät und die Berufsausbildung des Kindes. In der Regel verbleibt der Hund dann bei den zunehmenden Diskothekenbesuchen und später beim Auszug des Kindes bei den Eltern oder er wird, zum Leidwesen des Tieres, ins Tierheim abgeschoben. Vor dem Kauf eines Haustieres für Ihr Kind sollten Sie also folgende Gegebenheiten in Ihrer Familie abklären:

Verfügen Sie über genügend Platz für eine artgerechte Tierhaltung?
Lässt Ihr Mietvertrag oder Ihre Hausordnung die Tierhaltung zu?
Hat die Familie genügend Zeit für das neue "Familienmitglied"?
Kommen Sie mit dem Schmutz oder Lärm zurecht, den der neue Mitbewohner verursacht?
Kennen Sie jemanden, der das Tier in den Ferien pflegen kann?
Wie lange möchte und kann die Familie mit dem neuen Mitbewohner zusammenleben?
Und zuletzt, aber sehr entscheidend: Ist in der Familie jemand allergiegefährdet, beispielsweise gegen Tierhaare?
Im Folgenden führen wir eine Auswahl der bekanntesten Haustierarten im Hinblick auf den Pflegeaufwand und das Zusammenleben mit Kindern auf. Unsere Bemerkungen sind keinesfalls als Anleitungen zur Haltung und Pflege der Tiere zu verstehen, sondern als Hilfestellung für die Auswahl eines Tieres. Wenn Sie sich für ein Haustier für Ihr Kind entschieden haben, sollten Sie vor dem Kauf die jeweilige Fachliteratur lesen - im Buch- oder Zoofachhandel zu erwerben oder in Bibliotheken auszuleihen.

Mäuse - die tagaktiven Verwandten

Rennmäuse, meist handelt es sich um die Mongolischen Wüstenrennmäuse, lassen sich in der Wohnung recht gut halten. Sie erweisen sich als äußerst anpassungsfähig, stellen geringe Platzansprüche und sind einfach zu ernähren. Sie verbreiten keine unangenehmen Gerüche und sind auch am Tag hin und wieder munter. Sie werden recht zutraulich und nehmen bei ausreichender Geduld und Ausdauer auch Kontakt zum Kind auf. Sie lassen sich dann berühren, ohne gleich zuzubeißen. Allerdings werden die Wüstenrennmäuse selten handzahm und die Tiere lassen sich nicht fest halten. Rennmäuse sind sehr gesellige Tiere. Sie lieben es, eng aneinander gekuschelt zu schlafen und sich zwischendurch auch gegenseitig das Fell zu pflegen. Sie sollten deshalb auch möglichst zu mehreren Tieren gehalten werden - aber Vorsicht: Aus einem Weibchen und einem Männchen wird schnell eine Großfamilie. Wüstenrennmäuse eigenen sich für Kinder ab etwa zwölf Jahren.

Die weniger wilden weißen Mäuse sind für Kinder - auch jüngere - noch besser geeignet. Sie sind recht anspruchslos in der Pflege und lassen sich als sanfte und friedliche Vettern der Wüstenrennmäuse bereitwillig von Kindern streicheln. Wenn sich das Kind ausreichend mit der weißen Maus beschäftigt, wird sie schnell handzahm und äußerst zutraulich. Der einzige Nachteil der weißen Maus ist, dass sie aufgrund ihrer Ausscheidungen einen etwas muffigen Geruch verbreitet.


Meerschweinchen - die Geduldigen

Meerschweinchen sind ideale Haustiere für Kinder ab dem Grundschulalter. Sie sind robust, in aller Regel friedfertig und werden handzahm. Sie halten es auch aus, vom Kind beschmust und gestreichelt zu werden. Meerschweinchen können sich recht eng an das Kind, das sie regelmäßig versorgt, anbinden und richtig anhänglich werden. Auch sie können gut einzeln gehalten werden, wenn man sich genügend mit dem Tier beschäftigt. Sonst wird das vereinsamende Tier schnell stumpf und apathisch. Meerschweinchen brauchen jeden Tag Bewegung und Aktion außerhalb ihres normalerweise recht kleinen Käfigs. Damit kommen sie dem Wunsch des Kindes nach einem Spielkameraden sehr entgegen. Auch beim Meerschweinchen fallen Käfigreinigung und tägliche Fütterung an.


Hunde - vom quirligen Terrier bis zum sanften Berner Sennenhund

Hunde können für Kinder nahezu jeden Alters freundliche und treue Begleiter, interessante Spielkameraden und die aufmerksamsten Zuhörer sein. Sie müssen jedoch von der gesamten Familie akzeptiert und betreut werden. Die meisten Hunde brauchen nahezu so viel Pflege wie ein kleines Kind. Im ersten Jahr muss viel Zeit und Konsequenz darauf verwendet werden, den Hund zu erziehen. Bedenken Sie dabei, dass sich die Hunde in die Familienhierarchie einfügen. Das heißt beispielsweise, dass nur weniger dominante Hundecharaktere sich auch von Ihrem Kind etwas sagen lassen, auch wenn es nach menschlicher Vorstellung "sein" Hund ist. Vor allem kleinere Kinder genießen bei freundlichen, geduldigen Hunden arttypischen "Welpenschutz", das heißt, sie dürfen sich viel erlauben wie beispielsweise am Schwanz oder den Ohren ziehen, ohne dass die Hunde ärgerlich reagieren.
Obwohl viele Hunde von Natur aus kinderfreundlich sind, ist nicht jeder Hund für das Zusammenleben mit einem Kind geeignet. Je nach Hunderasse und Individuum schafft man sich für sein Kind einen quirligen Spielkameraden oder einen Beschützer an. Bei der Auswahl der Hunderasse sollte man keinesfalls nur nach dem gerade niedlich erscheinenden oder modischen Aussehen des Hundes gehen. Alle Hunderassen sind auf einen bestimmten Zweck hin, den sie für den Menschen erfüllen sollen, gezüchtet worden. Dementsprechend unterscheiden sich auch die grundsätzlichen Charakterzüge der einzelnen Rassen. Als sehr grobe Faustregel kann man sagen, dass große Hunde eher die kinderfreundlichen Hunde sind, nämlich ausgeglichen und ruhig, gutmütig und geduldig, nicht besonders schreckhaft, ausdauernd und verspielt und mit einem natürlichen Beschützerinstinkt versehen.

Der zurzeit sehr beliebte Golden Retriever ist ein echter Jagdhund, spezialisiert auf das Apportieren von Beute oder ersatzweise von Spielzeug. Er kann mit seinem sanften und freundlichen Wesen ein ausgezeichneter Familienhund werden, wirklich ausgelastet ist er aber nur, wenn er auch Aufgaben für den Menschen erfüllen kann. Der weniger kontaktfreudige Chow-Chow, der bis zur Sturheit eigenwillig sein kann, zeichnet sich von der Rasseveranlagung her zunächst nicht als Hund für Kinder aus. Wenn aber Chow-Chow und Kind zusammen aufwachsen, können so feste Freundschaften zwischen beiden entstehen, wie sie sonst kaum bei einer anderen Rasse vorkommen. Mischlinge bringen ebenso das Erbmaterial ihrer Vorfahren in ihr Verhalten mit hinein wie Rassehunde. Man sollte sich auch hier gut über die Eigenschaften der beteiligten Rassen erkundigen, um sich nicht beispielsweise einen possierlichen Kläffer in seine Etagenwohnung zu holen, weil unter seinen Vorfahren ein echter, ausbellender Wachhund (z.B. ein Spitz) zu finden ist. Sie sollten folglich mit der gesamten Familie beratschlagen, welche Möglichkeiten und Widrigkeiten Sie einem Hund auf lange Sicht zu bieten haben, und dann nach Ihren Möglichkeiten eine der geeigneten Rassen auswählen.

Natürlich gibt es wiederum bei jeder Rasse individuelle Typen: beispielsweise die Dominanten aus einem Wurf, die eher in sich gekehrten und ruhigeren Exemplare, die dann manchmal auch weniger in Beziehung zu den Menschen gehen. Wählen Sie mit einem Züchter oder den Betreuern im Tierheim in Ruhe den passenden neuen Mitbewohner aus. Die meisten soliden Züchter sind dem Verband für das Deutsche Hundewesen e.V.
angeschlossen, der Sie ausführlich über Rassen informieren kann und gerne weitere Kontaktadressen zur Verfügung stellt. Wenn Ihre Familie nicht jeden Tag mindestens 2 bis 3 Stunden Zeit für Ihren Hund hat, Sie die Vorstellung graust, bei Wind und Wetter mehrmals täglich den Gang mit Ihrem Hund zu machen oder sein Haar womöglich auf der Butter zu finden - überlegen Sie sich noch einmal, ob es wirklich ein Hund sein muss, den Sie für Ihr Kind brauchen. Ein Hund kann in 5 Minuten gekauft sein, aber er braucht etwa 10 bis 15 Jahre Zeit, Zuwendung und Betreuung. Ein Hund ist kein Spielzeug, auch nicht für Kinder, und auch kein paar Schuhe, die man zurückgeben kann, wenn sie doch zu eng sind.